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Emilie Baumanová 1916 - 1942 Bearbeiten

Geboren 17.2.1916 in Horoušany u Prahy
Gestorben 24.10.1942 in Mauthausen

Biografie

Geschichte der Familie Bauman

Břetislav Bauman wurde am 3. Dezember 1905 als Sohn von Jan und Anna Bauman geboren. Er begann im Jahre 1911 die örtliche gemischte Volksschule mit zwei Klassen zu besuchen. Seine Lernergebnisse waren derart gut, dass er seit dem 17. September 1917 den Schulbesuch an der Bürgerschule in Čelákovice fortsetzte, den er nach drei Jahren abschloss. Er setzte das Studium an der höheren Handelsschule fort, wo er zwei Jahrgänge absolvierte. Seinen Bildungsweg schloss er mit 17 Jahren ab.

Im März 1925 wurde er zum Militärdienst einberufen und am 1. Oktober zur 6. Feldkompanie des 6. Infanterieregiments Nr. 2 rekrutiert. Einen Monat, nachdem er den Präsenzdient angetreten hatte, wurde Břetislav Bauman in die Unteroffiziersschule versetzt, die er am 1. März 1926 mit sehr gutem Erfolg abschloss. Am 1. April 1926 wurde er ins Zivilleben entlassen.

Ende der 1930er-Jahre lernte er Emilie Basařová, Mitglied des örtlichen Sokol-Vereins kennen, die in Horoušany im Haus Nr. 13 lebte. Sie stammte aus der Familie des Fleischhauers und Eigentümers der örtlichen Gastwirtschaft Antonín Basař und dessen Ehefrau Anna. Emilie Basařová wurde am 17. Februar 1916 geboren. Sie besuchte seit dem 1. September 1922 die Gemeindeschule in Horoušany und beendete den Schulbesuch im Jahre 1927.

Im September 1938 wurde auch Břetislav Bauman im Zuge der Mobilmachung zum Militär eingezogen. Seine Einheit war in der Gegend um Lovosice eingesetzt, wo sie bis zum 10. Oktober verblieb, als sie aufgrund des Münchner Abkommens die letzte, V. okkupierte Zone räumen musste. Břetislav Bauman wurde dann am 13. Oktober 1938 demobilisiert und kehrte nach Hause zurück.

Am 28. Februar 1939 besiegelte Břetislav Bauman die Beziehung zu Emilie Basařová durch Eheschließung. Die Eheleute lebten fortan in der Mühle in Horoušany Nr. 11. Am 21. Juni 1940 kam inmitten der Kriegswirren ihr Sohn Svatopluk zur Welt.

In der Nacht vom 28. auf den 29. Dezember 1941 wurden drei operative Gruppen aus Großbritannien über dem Territorium des „Protektorats“ abgesetzt. Es handelte sich um die Gruppen „Anthropoid“, „Silver A“ und „Silver B“.[1] Die Gruppe „Anthropoid“ wurde um 2 Uhr und 24 Minuten Greenwich-Zeit bei Nehvizdy abgesetzt. Beide Fallschirmspringer, Jan Kubiš und Josef Gabčík, landeten auf den verschneiten Feldern zwischen den Gemeinden Nehvizdy und Horoušany. Sie versteckten das Operationsmaterial in einem nahegelegenen kleinen Gartenhaus von Antonín Sedláček und machten sich in der Früh auf den Weg in die nördlich von ihrer Landestelle liegende Gemeinde. Da sie sich nicht sicher waren, wo sie sich befanden, besuchten sie die örtliche Pfarre, um sich zu orientieren. Beide Fallschirmspringer verließen Nehvizdy schließlich und brachen zu ihrer ersten Kontaktadresse in Rokycany auf.

Die Fallschirmspringer waren selbstverständlich mit dem Gedanken beschäftigt, wie sie das versteckte Operationsmaterial vom Landeort wegschaffen könnten. Deshalb machte sich Kubiš am 13. Jänner 1942 alleine auf den Weg nach Nehvizdy. Hier suchte er den Gärtner Sedláček und František Kroutil auf. Als dieser feststellte, um welche Menge Operationsmaterial es sich handelte, ersuchte er seinen Bekannten Břetislav Bauman, den er vom Sokol kannte und der im Nachbarort wohnte, um Hilfe. Dieser bot an, das Material in seiner Scheune zu verstecken. Von dort wurde das Material schrittweise nach Prag abtransportiert.

Nach dem erfolgten Attentat auf den stellvertretenden Reichsprotektor Heydrich gelang es den Deutschen nicht, eine Spur zu finden, die zur Ausforschung der Fallschirmspringer und derer Helfer führte. Eine Wende trat erst nach dem Verrat durch Karel Čurda aus der Gruppe „Out Distance“[2] ein. Damals fand die Gestapo die erste Spur, und nach und nach enthüllte sie das ganze Netz der Helfer der Operationsgruppe „Anthropoid“.

Am 9. Juli entdeckte die Gestapo die Spur zum wichtigsten Helfer der Fallschirmspringer, Václav Novák. Am Vorabend des 15. Juli folgten die Verhaftungen in Šestajovice und in Houroušany, wo Jaroslav Starý und Břetislav Bauman durch den Kommissar Paul Schumm von der leitenden Gestapodienststelle in Prag verhaftet wurden.

Der Leidensweg der Familie Bauman war durch die Verhaftung von Břetislav noch nicht zu Ende. Am 31. August wurde auch Emilie Baumanová gemeinsam mit ihrem zweijährigen Sohn Svatopluk verhaftet, der in ein Internierungslager der Prager Gestapo in Praha-Jenerálka gebracht wurde, errichtet für die Internierung von Kindern der Widerstandskämpfer, die den Fallschirmspringern der Operationsgruppe „Anthropoid“ behilflich waren.

Nachdem die Deutschen die Heydrich-Attentäter in einer Prager Kirche gestellt und erschossen hatten, unterzogen sie die Leichname der Fallschirmspringer einer genauen Identifizierung, um sicher zu gehen, dass sie auch die Attentäter ermordet hatten. Die Leichname aller sieben Fallschirmspringer mussten von Zeugen am Tatort des Attentats identifiziert werden. Eine weitere Identifizierung fand dann anhand der konservierten Köpfe von Jan Kubiš und Josef Gabčík statt, und zwar durch jene Menschen, die den Fallschirmspringern behilflich gewesen waren. Es handelte sich um neun Personen, durchwegs jene Menschen, die mit Jan Kubiš und Josef Gabčík in Kontakt gewesen waren. Deshalb musste auch Břetislav Bauman an der Identifizierung teilnehmen. Bei einem der Köpfe „erkannte er wiederholt und mit ziemlicher Sicherheit Strnad [Deckname von Jan Kubiš] respektive jenen Mann, der bei ihm vorstellig wurde und ihn um Hilfe beim Verstecken der Fallschirme ersuchte.“

Břetislav Bauman wurde am 27. August 1942 in die Untersuchungshaftanstalt der Prager Gestapodienststelle in der „Kleinen Festung“ in Theresienstadt überführt. Seine Ehefrau Emilie wurde am 15. September 1942 in die Theresienstädter „Kleine Festung“ gebracht.

Während einer Sitzung des Standgerichtes am 29. September 1942 im Petschek-Palais in Prag fällte dessen Vorsitzender Hans Ulrich Geschke über das Ehepaar sowie über weitere dutzende Helfer der Operationsgruppe „Anthropoid“ das Todesurteil in absentia für die Hilfeleistung und das Verstecken der Fallschirmspringer.

Am 22. Oktober fuhr ein 460 Menschen zählender Transport von Bohušovic nad Ohří los. Unter ihnen waren auch 264 Frauen und Männer, die im als „Aktion Fallschirmspringer“ bezeichneten Dossier erfasst waren. Am 23. Oktober kam der Zug im Bahnhof in Mauthausen an. Am darauffolgenden Tag wurden alle 264 Frauen und Männer im Intervall von zwei Minuten hingerichtet. Emilie Baumanová wurde mit einem Genickschuss aus einer Kleinkaliberpistole um 9:54 Uhr hingerichtet, das Leben ihres Ehemannes wurde auf dieselbe Weise um 15:12 Uhr beendet.

Sohn Svatopluk blieb nur bis zum 12. September 1942 im Internierungslager der Gestapo in Praha-Jenerálka. An diesem Tag wurde er in das Städtische Kinderpflegeheim im Prager Bezirk Krč überstellt, wo er bis Kriegsende zusammen mit weiteren Kindern interniert war, die von einem ähnlichen Schicksal betroffen waren.

Die Eheleute bewiesen während der Haft ein großes Maß an persönlicher Tapferkeit. Trotz unmenschlicher Verhöre verriet Břetislav Bauman seinen Mithelfer František Kroutil nicht. Am 9. Dezember 1945 bestätigte František Kroutil anlässlich einer vom IV. Bezirk des Vereines Barák veranstalteten Totenfeier, nur dank der Tapferkeit von Břetislav Bauman überlebt zu haben.

Vlastislav Janík

Vlastislav Janík, geboren 1966, ist Repräsentant der Tschechischen Republik im Comité International de Mauthausen. Als Amateurhistoriker interessiert er sich seit 2007 für die Geschichte des KZ Mauthausen. Sein Hauptinteresse gilt den einzelnen Schicksalen der Verfolgten. Neben seinen Forschungen organisiert er Bildungsreisen zur KZ-Gedenkstätte Mauthausen.

 

Aus dem Tschechischen von Jana Starek



[1] Anm. d. Ü.: Das Ziel dieser vom Nachrichtendienst der tschechoslowakischen Exilregierung in London in Kooperation mit dem britischen Special Operations Executive geleiteten „Operation Anthropoid“ war die im Mai 1942 erfolgte Ermordung des stellvertretenden Reichsprotektors in Böhmen und Mähren, Reinhard Heydrich; „Silver A“ und „Silver B“ waren die Decknamen für aus speziell geschulten Fallschirmspringern bestehende Gruppen, die Ende Dezember 1941 u.a. mit dem Auftrag, die Funkverbindung mit London zu sichern, abgesetzt wurden.

[2] Anm. d. Ü.: Deckname eines Sabotageanschlages auf ein Gaswerk in Prag durch eine von der tschechoslowakischen Exilregierung in Kooperation mit der britischen Armee entsandte dreiköpfige Fallschirmspringergruppe, die mit „Silver A“ kooperieren sollte.

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