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Александр Кузьмич Яропольский / Alexandr Kusmitsch Jaropolskij 1899 - 1945 Bearbeiten

Geboren 9.6.1899 in Moskwa
Gestorben 1.3.1945 in Gusen

Biografie

Mein Großvater Alexandr Kusmitsch Jaropolskij wurde am 9. Juni (nach altem russischen Kalender) bzw. am 22. Juni (nach neuem russischen Kalender) 1899 geboren. Die Familie wohnte in Moskau in der Nähe von Krasnaja Presnja in einem eigenen Haus. Der Vater meines Großvaters diente als Geschäftsführer in einer Weberei, die Mutter des Großvaters, Maria Sergeewna (geborene Drosdowa), war Hausfrau und widmete sich der Erziehung der fünf Kinder.

Alexandr war der erstgeborene Sohn in der Familie Jaropolskij. 1911 beendete er mit Auszeichnung die Diözesanschule namens F.A. Kopejkin-Serebrjakow in Moskau, danach besuchte er eine Handelsschule. Im Jahre 1922 schloss mein Großvater einen Kurs für Regimentsführer bei der Höheren Schießtaktischen Schule ab, und nahm am Bürgerkrieg und am polnischen Feldzug der Roten Armee teil. Als aktiver Offizier studierte er und unterrichtete danach an der Frunse-Militärakademie. 1923 absolvierte er das Moskauer Institut für sowjetisches Recht in der Fachrichtung Wirtschaftsrecht.

Die Umstände fügten sich so, dass mein Opa in den 1930er-Jahren seine Militärlaufbahn beendete und bis Kriegsbeginn als Rechtsanwalt in einem der Volkskomissariate für Industrie tätig war.

Am 22. Juni 1941 ging mein Großvater Alexandr Kusmitsch Jaropolskij freiwillig ins Bezirksmilitärkomissariat und ließ sich einberufen. Meine Großmutter Irina Alexanrowna Jaropolskaja hatte während des ganzen Krieges keine Nachrichten von ihrem Ehemann. Sie heiratete nicht mehr und zog ihre Tochter Larisa (meine Mutter), geboren 1924, alleine groß.

Nach dem Krieg wurde meine Großmutter benachrichtigt, dass ihr Mann vermisst werde. Einige Jahre später kam ein Mann zu uns und erzählte, dass der Großvater ihm das Leben gerettet hatte. Mein Großvater und er seien zusammen in einem KZ im Reichsgebiet gewesen. Häftlinge hatten eine Flucht vorbereitet. Im letzten Moment waren ihre Pläne verraten worden, und mein Großvater gab den anderen die Möglichkeit zur Flucht, musste aber selbst im Lager bleiben.

Viele Jahre wussten wir nichts über das Schicksal unseres Großvaters, obwohl wir regelmäßig Anfragen an das Verteidigungsministerium schickten. Erst 1998 bekam ich eine Antwort aus dem Zentralarchiv des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation, dass Major Alexandr Kusmitsch Jaropolskij am 21. September 1941 bei Pirjatin in Gefangenschaft geriet, am 1. März 1943 aus dem Stalag XIII A ins Stalag XIII D (Nürnberg) überwiesen wurde und am 8. September 1944 an die Gestapo übergeben wurde.

2011 kam ein Schreiben vom Roten Kreuz mit der Information, dass Alexandr Jaropolskij (Gefangenennummer 633) am 2. bzw. 3. Oktober 1944 von der Staatspolizei Nürnberg ins KZ Mauthausen (Häftlingsnummer 106506) überwiesen wurde und am 1. März 1945 in Gusen starb.

Ich bin Olga Chuskiwadse, die Enkelin von Alexandr Jaropolskij, Rechtsanwältin in Moskau. Dank der Hilfe des Internationalen Roten Kreuz und des Vereines der ehemaligen Häflinge Mauthausens fand ich den Sterbeort meines Großvaters. Nun gibt es auf der Gedenkmauer in Gusen eine Tafel mit seinem Namen.

Olga Chuskiwadse

Olga Chuskiwadse ist Rechtsanwältin in Moskau und Enkelin von Alexandr Kusmitsch Jaropolskij.

 

Aus dem Russischen von Tatiana Szekely

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