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Миодраг Никитовић / Miodrag Nikitović 1921 - 1943 Bearbeiten

Geboren 6.8.1921 in Ribarska Banja
Gestorben 19.10.1943 in Gusen

Biografie

Geschichte ihres Bruders und übergab dem Historischen Archiv Belgrads Briefe, die er während seiner Haft im Konzentrationslager Banjica an die Familie geschickt hatte, und ein mit einer Widmung an seine Mutter versehenes, im Lager selbstgemachtes Zigarettenetui.

Miodrag Nikotović wurde am 6. August 1921 in Ribarska Banja geboren und schloss das Gymnasium in Belgrad ab. Seine Vorliebe galt dem Zeichnen und dem Lesen verschiedenster Literatur. Er hatte eine sanftmütige Art, war ruhig, freundlich, großzügig und ein gut gebauter und gut aussehender junger Mann. Im Abschlussjahr des Gymnasiums wurde er Mitglied im Verband der Kommunistischen Jugend Jugoslawiens, was einen wesentlichen Einfluss auf seine Einstellung gegenüber der Arbeit und auf sein gesamtes Verhalten hatte.

In der Besatzungszeit wurde er Schulleiter und pflegte noch an drei weiteren Schulen Kontakte mit den Organisationen des Verbandes der Kommunistischen Jugend Jugoslawiens. In Folge wurde er Mitglied des Zentralen Schulverbands. Einen Teil des Zentralen Schulverbands bildeten Milutin Doroslovac (alias Milo Dor, der seit 1944 in Wien lebende österreichischer Schriftsteller), Leposava Mitrović und Milovan Milović Čence – die beiden Letztgenannten wurden am Schafott in Jajinci hingerichtet.

Anfang des Jahres 1942 fügte die IV. Antikommunistische Abteilung der faschistischen Sonderpolizei (Specijalne Policije) unter der Leitung von Božidar Bećarević der Organisation der Jungen Kommunisten an den Belgrader Mittelschulen einen schweren Schlag zu. Kiki schaffte es zunächst, den Verhaftungen zu entkommen, blieb kompromittiert der Arbeit fern und lebte illegal in der Umgebung von Belgrad. Er wurde jedoch im selben Jahr verhaftet, im Belgrader Gefängnis in der Đušina Straße verhört und daraufhin in das Lager Banjica gebracht.

Einige seiner Briefe blieben erhalten – seine freigelassenen Gefährten nahmen sie im Geheimen aus dem Lager mit. Kikis Briefe spiegeln menschliche Wärme und Sorge für seine Nächsten wieder. Sie erzählen von menschlicher Solidarität, ausgeheilten Epidemien, der organisierten Essensverteilung in der Häftlingsgemeinschaft, vom Gang zur Arbeit außerhalb des Lagers und davon, wie die Tage als Häftling vergingen. Ein hölzernes Zigarettenetui widmete er seiner Mutter als Andenken. Auf der Innenseite des Deckels ist eingraviert „Der lieben Mama“ und das Datum der Ankunft im Lager Banjica („11.IX.“) zu lesen, ebenso das Datum des letzten Tages vor dem Transport in das Konzentrationslager Mauthausen („30.IV.“). Auf dem Deckel des Zigarettenetuis ist das Abbild des Gebäudes vom Lager Banjica mit dem Drahtzaun, dem Wachturm und den dazugehörigen Nebengebäuden eingeritzt.

Nach seiner Ankunft in Mauthausen erhielt er die Häftlingsnummer 29024 und wurde zur Arbeit im Außenlager Gusen eingeteilt, das als eines der härtesten Lager im gesamten Dritten Reich galt. Er starb am 19. Oktober 1943 und wurde am Tag darauf verbrannt.

Die letzte Begegnung mit ihrem Bruder hat sich in das Gedächtnis seiner Schwester eingebrannt: „Ich erinnere mich, wie der Zug mit Häftlingen aus Banjica am frühen Abend des 1. Mai des Jahres 1943 Richtung Österreich fuhr. Ich lief dem Zug nach, sah das blasse Gesicht meines Bruders hinter dem schmiedeeisernen Gitter, gequält von der Haft im Gefängnis und im Lager. Seine sanftmütigen, traurigen Augen zeugten von dem Grauen, das er durchmachte. Er überlebte eine Typhusepidemie und häufige Erschießungen von ihm bekannten und unbekannten Häftlingen dieses Lagers. Sechs Monate später habe ich erfahren, dass ich ihn nie wieder sehen werde. Er wurde im Krematorium des Konzentrationslagers Mauthausen verbrannt – darüber wurde meine Mutter von der Lagerverwaltung am 27. Oktober 1943 schriftlich informiert. Die angebliche Todesursache lautete ‚Herzmuskelschwäche‘. In den erhaltenen Unterlagen der Sonderpolizei steht in der Gruppenaufzeichnung der organisierten Mittelschüler geschrieben, dass ‚Miodrag Nikitović ins Konzentrationslager überstellt wird, da er mit seinem Verhalten in der Haft bewiesen hat, dass er unbelehrbar ist.‘“

Tamara Ćirić-Danilović / Ljubomir Zečević

Udruženje zatočenika koncentracionog logora Mauthauzen Srbije

 

Tamara Ćirić-Danilović, geb. 1974 in Zemun, ist diplomierte Sozialpädagogin und Familienberaterin. Ihr Großvater, der Bauer Trivun Danilović, wurde von SS und Gestapo 1943 als Partisan ins KZ Mauthausen deportiert. Tamara Ćirić ist Präsidentin der Udruženje zatočenika koncentracionog logora Mauthauzen Srbije (Vereinigung der ehemaligen Häftlinge des Konzentrationslagers Mauthausen in Serbien, UZKL).

Ljubomir Zečević, geboren 1925 in Belgrad, gestorben 2017, war Journalist und Absolvent der Hochschule für Politik. Er war politischer Kommentator, Redakteur und Direktor bei TV Beograd. Seit 1985 in Altersrente, war er von 1988 bis 2015 Präsident und apäter Vize-Präsident der Udruženje zatočenika koncentracionog logora Mauthauzen Srbije (Vereinigung der ehemaligen Häftlinge des Konzentrationslagers Mauthausen in Serbien).

 

Aus dem Serbischen von Nedina Malinović

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