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Alfred Jones 1914 - 1944 Bearbeiten

Geboren 18.8.1914 in Port Talbot
Gestorben 9.11.1944 in Mauthausen

Biografie

Alfred Jones fälschte sein Geburtsdatum und machte sich um ein Jahr älter, damit er am 19. August 1931 im Alter von 17 Jahren als Soldat in die Royal Artillery in Port Talbot eintreten konnte. Nach der Grundausbildung wurde er der 22/24 Brigade zugeteilt und am 14. Februar 1934 zur 12/25 Brigade nach Indien versetzt. Er diente bis zum 29. November 1937 in Indien – und zwar hauptsächlich im Nordwesten des Landes - und wurde am 29. Februar 1938 als Reservist aus der Armee entlassen. Am 21. April 1939 trat er wieder in die britische Armee ein und wurde am 25. Mai 1939 zum 23. Feldregiment versetzt. Am 28. September 1939 wurde Alfred Jones mit diesem Regiment nach Frankreich geschickt, um sich dem Britischen Expeditionskorps anzuschließen.

Alfred diente in der 51. Highland Division des 23. Feldregiments der Royal Artillery und war Teil der zur Verteidigung der Maginot-Linie an die Saar verlegten britischen Streitkräfte. Dort war er auch, als die Deutschen im Mai 1940 ihre Offensive starteten. Die Division wurde in einer großräumigen Umgehung der französischen Hauptstadt in den Süden von Paris verlegt, traf dort aber zu spät ein, um sich der Hauptstreitmacht des britischen Expeditionskorps anzuschließen. Auf sich allein gestellt und abgeschnitten von den anderen Streitkräften wurde die Division etwas südlich von der Somme in der Nähe von Abbeville gegen die Deutsche Armee in den Kampf geschickt.

Hoffnungslos in der Unterzahl und mit ständig wegbrechenden Flanken lieferte die Division ein Rückzugsgefecht und zog sich in sechs Tagen 60 Meilen von der Somme in das kleine Fischerdorf St. Valery-en-Caux zurück. Abgeschnitten von jedem Nachschub gingen ihnen bald Verpflegung und Munition aus und die Division kapitulierte am 12. Juni. Alfred war einer von tausenden britischen und französischen Soldaten, die als Kriegsgefangene zu Fuß nach Belgien marschieren mussten, um dort in Züge verladen zu werden, die sie in Kriegsgefangenenlager in den Osten Deutschlands brachten.

Zusammen mit dem Artilleristen Richard Storey BAINBRIDGE 806161 und dem Fahrer Alfred W. BERRY gelang Alfred auf dem Marsch die Flucht, indem sie sich von der Gefangenenkolonne entfernten und bis zum Anbruch der Dunkelheit in einem Weizenfeld versteckten. Sie wollten sich zu dritt über Zottegem, Ghent und Deinze an die Küste durchschlagen, was aber aufgrund der großen Präsenz der Deutschen nicht möglich war. Sie versteckten sich einige Tage bei Victor De TEMMERMAN in Beisloven – Stijpen Zottegem.

Alfreds Familie in Wales erhielt zuerst die Nachricht, dass er vermisst wurde, dann, dass er in Kriegsgefangenschaft geraten war und danach, dass er erneut vermisst wurde. Alfred Jones und seine zwei Kameraden hielten sich in diesen sechs Monaten im Jahr 1940 hauptsächlich in der Nähe des Dorfes Leerbeek versteckt und trafen dort auf den Füsilier Thomas James SIM und den Corporal N.J.(Jackie) HOGAN. Die Dorfbewohner besorgten den Engländern Zivilkleidung und anscheinend auch Ausweispapiere. Als man befürchten musste, dass ihr Versteck den Deutschen verraten worden war, kehrten sie, um einer Verhaftung zu entgehen, alle nach Brüssel zurück, wo sie am 7. Jänner 1941 eintrafen. Bainbridge machte sich in Begleitung von drei Belgiern am 29. Jänner 1941 auf den Weg nach Frankreich und ließ Berry und Jones in Brüssel zurück. Am 21. März 1941 erreichte Bainbridge Spanien. 1941 und auch 1943 erhielt die Familie von Jones die Nachricht, dass Alfred gesehen worden war und sie davon ausgehen sollten, dass er in Frankreich untergetaucht war, um sich einer Gefangennahme zu entziehen. Diese Berichte stammten wahrscheinlich von BAINBRIDGE, SIM und HOGAN, die es alle nach Hause geschafft hatten.

Alfred JONES hielt sich weiterhin in Brüssel versteckt. Marie DARMONT-COLLET, die Familie DELOGE und zahlreiche ihrer Freunde halfen ihm dabei. Als die Gefahr einer neuerlichen Gefangennahme zu groß wurde, verließ er Brüssel und versteckte sich außerhalb der Stadt bei der Familie D'HAESELEER (Vater, Mutter, die 17-jährige Tochter Elsa und der 14-jährige Sohn). Alfred blieb ungefähr drei Monate bei dieser Familie. Die Familie D'HAESELEER wohnte in dem Dorf, wo Alfreds Flucht ursprünglich begonnen hatte, und sie versorgten ihn mit Essen und Unterkunft, auch wenn sie nicht Teil der belgischen Widerstandsbewegung waren.

Alfred wurde am 28. Oktober 1941 von der Geheimen Feld-Polizei in Brüssel verhaftet.

Alfred Jones wurde nicht als britischer Kriegsgefangener, sondern als politischer Gefangener behandelt. Er war acht Monate in Zelle 75 eingesperrt. Sein Zellennachbar war der belgische Rechtsanwalt Paul LURQUIN. Die beiden Männer sprachen durch die Zellenwand miteinander und wurden gute Freunde. Die Haftbedingungen waren miserabel, aber LURQUIN hatte den Eindruck, dass Alfred bei guter Gesundheit war. Sie vertrieben sich die Zeit mit imaginären Wetten auf Pferde- und Hunderennen. Alfred brachte LURQUIN in dieser Zeit auch Englisch bei, bevor er im Juli 1942 in eine andere Zelle verlegt wurde. Andere Mithäftlinge teilten ihre Lebensmittelpakete vom Roten Kreuz mit ihm.

Im Laufe des Jahres 1943 wurde Alfred vom St. Gilles Gefängnis in das Gefängnis nach Essen (Deutschland) verlegt. Er wurde der Kollaboration mit dem Feind und der Spionage angeklagt. Vom 8. bis 11. Juni 1943 wurde ihm zusammen mit 18 anderen Häftlingen aus Brüssel im Amtsgericht Essen der Prozess wegen Kollaboration mit dem Feind gemacht. Der vorsitzende Richter war Landgerichtsdirektor BERG, ihm zur Seite standen Landgerichtsrat VENNEBUSCH und Amtsgerichtsrat OEING. Angeklagt waren insgesamt 19 Personen, die geholfen hatten, geflohene britische Soldaten zu verstecken. Alfred wurde von allen Anklagepunkten freigesprochen.

Trotz seines Freispruchs blieb Alfred Jones weiter inhaftiert und wurde später in ein Konzentrationslager verbracht. Nur fünf von den 19 Angeklagten kehrten nach der Befreiung der Konzentrationslager im Mai 1945 nach Brüssel zurück. Alle anderen starben in der Haft.

Nach dem Freispruch in Essen wurde Alfred nach Informationen von seinem Bruder und von anderen Quellen zuerst in das Konzentrationslager SACHSENHAUSEN-(ORANIENBURG) gebracht. Obwohl die Deutschen wussten, dass es sich bei ihm um einen britischen Soldaten handelte, wurde er als politischer „Nacht und Nebel“-Gefangener behandelt. Er kam in eine „Kommandoeinheit“, die Stiefel für das deutsche Militär testen musste. Die Häftlinge mussten auf einem halbrunden Platz – dem Appellplatz – auf verschiedenen Oberflächen – Gras, Asphalt, Stein, etc. – in den Stiefeln ihre Runden drehen. Sie hatten den ganzen Tag lang den Appellplatz zu umrunden. Das bedeutete, sie marschierten rund 25 Kilometer täglich mit 15 Kilo Gepäck am Rücken – und das bei Hungerrationen. Wenn sie hinfielen, wurden sie mit Fußtritten misshandelt und die Hunde auf sie gehetzt. Gelegentlich durften sie anhalten, damit ein Mann in Zivilkleidung die Stiefel begutachten und sich Notizen machen konnte. Trotz dieser unmenschlichen Behandlung verbesserte sich im Konzentrationslager die nach mehreren Jahren im Gefängnis stark angegriffene Gesundheit Alfreds, da er Hilfe von anderen Häftlingen bekam. Im Lager gab es auch mehrere Hundert norwegische Gefangene, die wie ganz normale Kriegsgefangene Lebensmittelpakete erhalten durften. Sie teilten diese Lebensmittelpakete mit ihren Mithäftlingen. Wahrscheinlich verschenkten sie mehr Lebensmittelpakete, als sie für sich selbst behielten. Im Juni 1944 wurde Alfred in das Konzentrationslager NATZWEILER im Elsass verlegt. Und im August 1944 in das Lager ALLACH in unmittelbarer Nachbarschaft zum BMW-Werk. 1944 gab es 20.000 Arbeiter in Allach, darunter 3.000 Kriegsgefangene und bis zu 5.000 KZ-Häftlinge, viele vom nahegelegenen KZ Dachau, die Sternmotoren für Flugzeuge herstellten. Alfred verließ dieses Lager am 15. September 1944.

Vom Museum in Dachau erhielt ich die Information, dass Alfred Jones vom 4. bis 22. September 1944 Häftling im Konzentrationslager Dachau war. Seine Häftlingsnummer war 98277. Danach wurde er in das Konzentrationslager Mauthausen verlegt, wo er laut den dortigen Aufzeichnungen am 16. September 1944 ankam. Zur gleichen Zeit mit ihm in Natzweiler, Dachau und Mauthausen inhaftiert waren unter anderem Ian Kenneth „Johnny“ Hopper, ein Engländer, der als Ein-Mann-Armee Krieg gegen die Deutschen im besetzten Frankreich geführt hatte, und Robert Perrier, ein Profiboxer mit Unterweltverbindungen, der auch als Robert le Kid bekannt war. Weiters waren da noch Lieutenant Brian Stonehouse, ein Funker bei der britischen nachrichtendienstlichen Spezialeinheit Special Operations Executive (SOE), John Starr, ein SOE-Agent, und Generalmajor Pat O'Leary R.N., der in Wirklichkeit ein belgischer Militärarzt war, Comte Albert Guerisse hieß und Fluchtwege (Pat Line) für abgeschossene alliierte Piloten organisierte. Pat O’Leary kannte Alfred in Natzweiler. Wahrscheinlich hatte Alfred etwas mit den von der SS organisierten Boxkämpfen zu tun. Seine Familie erhielt die Mitteilung, dass Alfred Jones am 1. April 1945 in Dachau gestorben war. In den Akten im Lagerarchiv beschreiben norwegische Häftlinge, dass Alfred erschossen wurde, nachdem er einem Deutschen ins Gesicht geschlagen hatte. Hier muss es sich aber um eine Verwechslung handeln. Franz Schwark, ein Freund von Alfred in Mauthausen, beschreibt in einem Brief aus Dresden vom 18. Juli 1947, was tatsächlich mit Alfred geschah:  

„Im Oktober 1944 wurden alle Häftlinge, die als Gefahr für den Staat angesehen wurden, von Sachsenhausen (Berlin) nach Mauthausen (Österreich) überstellt. Ich war bis März 1945 bei ihm, dann erkrankte er (Unterernährung) und konnte nicht mehr arbeiten. Zu diesem Zeitpunkt erinnerte sich die Waffen SS, dass Alfred wegen Spionage im KZ war. Alfred wurde Anfang März zusammen mit weiteren 52 Deutschen und Österreichern in die Gaskammern geschickt, ermordet und eingeäschert. Die Frage, wo sich sein Grab befindet, kann ich nicht beantworten, da in diesem Konzentrationslager 180.000 Menschen ermordet wurden und es keine Gräber gibt. Die Menschen wurden alle verbrannt und ihre Asche verstreut.
Er war, einsam und allein, mein bester Freund und Kamerad und starb als ehrlicher Mann. Nach Kriegsende wurden die SS-Mitglieder aus dem KZ Mauthausen gehängt, darunter auch die Mörder von Alfred.“

In den Aufzeichnungen der Commonwealth War Graves Commission ist der 9. November 1944 als Todestag von Alfred Jones angegeben, was von der Erzählung von Franz Schwark abweicht. Vielleicht hat sich Schwark beim Datum geirrt, da im November 1945 Generalmajor Pat O’Leary in einem Brief an Hauptmann Galitzine, der Todesfälle in Mauthausen untersuchte, schrieb: „Ich selbst kannte Freddy Jones persönlich vom Juni bis September 1944 in Natzweiler“. Er gibt an, dass Robert Perrier bis zum Schluss bei Alfred war, als dieser im November 1944 vergast wurde. Aus verschiedenen Unterlagen in den Archiven der Gedenkstätte Mauthausen geht hervor, dass Alfred am 16. September 1944 aus Dachau kommend in Mauthausen eintraf. Er wird beschrieben als Alfred Jones, geboren am 18.04.1914 in Port Talbot, Offizier, Häftlingsnummer 98320, britischer Soldat in Schutzhaft. Im offiziellen Exekutionsregister wird als Datum seines Todes der 9. November 1944 geführt. In dem Buch Die Geschichte des Konzentrationslagers Mauthausen von Hans Maršálek ist zu lesen: „ein namentlich nicht bekannter Engländer wurde am 9. November 1944 mit einem Nackenschuss hingerichtet.“ Dies scheint sich auf Alfred zu beziehen. Im DUNKIRK MEMORIAL wird seinem Namen ehrenvoll gedacht.

 

John Clinch, Enkel eines Mitangeklagten von Alfred Jones

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