Johann Rudig 1899 - 1943

Geboren 7.4.1899 in Zams
Gestorben 24.2.1943 in Mauthausen

Biografie

Johann Rudig wurde am 7. April 1899 als erstes von sieben Kindern einer Bauernfamilie in Zams im Tiroler Oberland geboren. Hier erlernte er auch das Schneiderhandwerk und wurde Schneidermeister im Ort. Am 15. Oktober 1917 rückte er mit 18 Jahren zum Kaiserschützenregiment Nr. III ein und kämpfte an der Piavefront und in der Bucht von Kotor bis zum 24. November 1918. Nach dem Krieg kehrte „Vetter Hansi“, wie er von der Familie genannt wurde, wieder in die Heimat zurück. Ab 1. Mai 1926 war er als provisorischer Mesner der Pfarre Zams angestellt. Johann Rudig trat am 28. Juli 1929 dem Kapuzinerorden bei und erhielt den Ordensnamen Bruder Ludger. Sein erstes Jahr als Laiennovize verbrachte er in Imst, wo sich zu jener Zeit das Noviziat befand. Er kam bereits 1930 nach Bregenz und dann, ein Jahr später, wieder nach Imst. Am 4. Februar 1932 bat er dann bereits um Dispens von seinen Gelübden.

Nach seinem Austritt aus dem Orden arbeitete er wieder als Schneidermeister und war ein leidenschaftlicher Fußballspieler in der Altherren-Mannschaft des FC Zams. 1932 erhielt er für seinen Fronteinsatz im Ersten Weltkrieg die „Tiroler Landesdenkmünze 1914–18“ verliehen. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wurde Johann Rudig am 7. November 1938 wegen „Unzucht wider die Natur“ verhaftet, nach 6 Monaten Untersuchungshaft in der Männerhaftanstalt Garsten wurde er am 2. Mai 1939 der Unzucht schuldig gesprochen und zu vier Jahren schweren Kerkers mit einmal vierteljährlichem hartem Lager verurteilt.

Am 10. Oktober 1940 wurde er von Garsten in das Strafgefangenenlager Rodgau-Dieburg nach Hessen verlegt, um dort Zwangsarbeit zu leisten, am 29. April 1941 wurde er in das Gefangenenlager Ober-Ems verlegt, in dem er den Rest seiner gerichtlichen Haftstrafe verbüßte. Nachdem er die volle Haftstrafe von vier Jahren verbüßt hatte, wurde „Vetter Hansi“ nicht entlassen, sondern als „Berufsverbrecher“ und zur „Vorbeugung“ erneut in Haft genommen und am 16. November 1942 ins Polizeigefängnis Dortmund verschleppt, am 24. November begann seine Deportation in das KZ Mauthausen. Das Lager erreichte er am 28. November 1942, er erhielt die Häftlingsnummer 15202 und musste von nun an den „grünen Winkel“ der „Berufsverbrecher“ an seiner Häftlingsuniform tragen. Nach vier Jahren der Kerkerhaft und der Zwangsarbeit war er so geschwächt, dass er den Bedingungen im Konzentrationslager nicht mehr lange standhalten konnte, laut Totenbuch des KZ Mauthausen starb Johann Rudig am 24. Februar 1943 in Block 19 an einem eitrigen Dickdarmkatarrh. Der Familie wurde nach seinem Tod eine Schachtel mit seiner Asche nach Tirol geschickt, wo sie im Familiengrab bestattet wurde. Ein Erlebnis, an das sich noch Jahre nach dem Krieg eine seiner Nichten erinnern konnte.

Samuel Auer

Urgroßneffe von Johann Rudig

Position im Raum