Modest Mikołajewski 1900 - 1942

Geboren 20.11.1900 in Luberadz
Gestorben 12.12.1942 in Mauthausen

Biografie

Mein Vater stammt aus einer Handwerkerfamilie, und wie sein Vater wurde er Schmied. Er hatte zwei jüngere Schwestern. Er heiratete 1926 und war der Vater von drei Kindern, die bei seiner Verhaftung durch die Gestapo elf, acht und sechs Jahre alt waren.

Vor dem Zweiten Weltkrieg wohnten wir in Pomiechówek in einem Haus, das 1939 bei der Schlacht um die Festung Modlin von einer Bombe getroffen wurde und zusammen mit der Schmiede abbrannte. Mein Vater war ein sehr guter Handwerker und lehrte jungen Leuten diesen Beruf. Vor dem Zweiten Weltkrieg meldete sich die Frau des Ministerpräsidenten Sławoj Składkowski bei ihm und bestellte Metallelemente für die Einrichtung eines Pferdewagens. Dieser Wagen war der Hauptpreis bei der Lotterie des Patronatsfestes vor der Kirche von Pomiechówek. Das war der Brauch und zu diesem Anlass kamen Leute aus ganz Masowien.

Mein Vater war ein großer Patriot und ungeachtet der großen Gefahr, die von Seiten der deutschen Okkupanten ausging, stellte er seine Schmiede für konspirative Versammlungen und zum Radiohören zur Verfügung. Nach der Verhaftung meines Vaters suchte die Gestapo dieses Radio im Haus und im Garten. Meine Mutter hatte das Radio aber zuvor vernichtet, da sie vermutet hatte, dass es von den deutschen Behörden gesucht werden würde.

Mein Vater gehörte der polnischen Untergrundarmee – der Związek Walki Zbrodniej (ZWZ), aus der 1942 die Armia Krajowa (AK) gebildet wurde – an, deren Hauptziel ein kollektiver nationaler Aufstand war. Jener Gruppe von Patrioten aus Pomiechówek und Umgebung, die 16 Mitglieder des ZWZ stellte, war es allerdings nicht mehr möglich, den Sieg über die deutschen Faschisten und Besatzer zu erleben.

In der Nacht vom 14. auf den 15. August 1941 wurde die ganze Gruppe von 16 Patrioten von der Gestapo aus Nowy Dwór Mazowiecki verhaftet. Der Gruppe wurde unter anderem vorgeworfen, kriegswichtige Bahnanlagen und Transportwege zerstört zu haben. Sie wurden in der Gestapostelle in Nowy Dwór Mazowiecki schweren Verhören ausgesetzt, sie wurden geschlagen, man ließ sie hungern und hetzte Hunde auf sie. Meine damals sechsjährige Schwester fuhr gemeinsam mit meiner Mutter zu unserem Vater, um ihm Essen zu bringen, und sah meinen Vater, wie er auf allen Vieren aus dem Keller kam, geschlagen und blutüberströmt – sie erinnert sich bis heute an dieses Bild.

Nach sechs Wochen Verhör in Nowy Dwór Mazowiecki – geschlagen, hungernd, von Hunden attackiert und weiteren Misshandlungen der Mörder ausgesetzt – waren sie in einer geschlossenen Anlage in Płock, Olsztyn inhaftiert. Für die Zeit der Verhandlungen kamen sie nach Kaliningrad.

Der Prozess in Kaliningrad fand im Mai 1942 statt und endete damit, dass drei Menschen zum Tode verurteilt wurden. Das Urteil wurde im Juli 1942 vollstreckt. Drei Menschen wurden zu zwölf Jahren Freiheitsstrafe, sieben Menschen zu sechs Jahren und drei Menschen zu jeweils zehn, acht und sieben Jahren verurteilt.

Mein Vater wurde zu sechs Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Alle Menschen kamen strafverschärfend in Konzentrationslager. Nach dem Prozess in Kaliningrad transportierte man die Verurteilten nach Sieradz, wo man sie auf die Konzentrationslager vorbereitete.

In der Zwischenzeit bekam meine Mutter die Erlaubnis, meinen Vater am 23. November 1942 in Sieradz zu besuchen. Damals ging es meinem Vater gut, und meine Mutter kam voller Optimismus nach Hause zurück. Allerdings kam mein Vater wenig später ins nationalsozialistische Konzentrationslager Mauthausen, wo er am 12. Dezember 1942 um 13.35 Uhr, laut Telegramm infolge einer Lungenentzündung, starb. Sein Leichnam wurde am 15. Dezember 1942 im Krematorium verbrannt. Mein Vater hatte den Fehler gemacht, sich nach seiner Ankunft in Mauthausen in der Krankenstation zu melden. Als Schmied war er seiner Arbeit stehend nachgegangen, weshalb er an Krampfadern und offenen Wunden an den Beinen litt – anscheinend hatte er Angst vor dem Steinbruch gehabt.

Danuta Herok

Danuta Herok ist die Tochter von Modest Mikołajewski

 

Aus dem Polnischen von Katharina Czachor

Position im Raum