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Jan Vážný 1891 - 1942 Bearbeiten

Geboren 1.1.1891 in Praha
Gestorben 18.4.1942 in Mauthausen

Biografie

Jan Vážný besuchte das Gymnasium in der Truhlářská-Straße in Prag, wo er 1909 sein Abitur mit Auszeichnung ablegte. Von 1909 bis 1913 studierte er Rechtswissenschaften an der Karlsuniversität Prag, wo er am 12. Dezember 1914 das Studium mit dem Titel Dr. jur. abschloss. Am 7. Mai 1919 wurde Jan Vážný als Richter für den Bereich Oberstes Gericht in Prag berufen. Von 1919 bis 1920 hatte er einen Studienaufenthalt an der Universität Rom und 1922 an der Universität Palermo. Bereits im Dezember 1920 habilitierte er sich mit der Schrift Actiones poenales (Über die Änderung des Begriffes und der Struktur privater Strafanzeigen im Laufe der historischen Entwicklung). Von 1920 bis 1921 fungierte er auch kurz als Lehrer an der Juristischen Fakultät der Karlsuniversität und am 20. Mai 1921 wurde er zum außerordentlichen Professor des Römischen Rechts an der Komenský-Universität in Bratislava ernannt. 1927 ging er als ordentlicher Professor dieses Faches (am 23. Dezember desselben Jahres ernannt) an die Masaryk-Universität in Brno und leitete das Seminar für Römisches Recht. Im akademischen Jahr 1932/1933 hatte er die Funktion des Dekans an der Juristischen Fakultät inne.

Professor Vážný war der Autor einer Reihe von fachbezogenen Arbeiten. Die bedeutendste ist die zweiteilige Studie Římské právo obligační (Das Römische Obligationsrecht), die in Bratislava 1924 und 1927 erschien. Diese Problematik behandelte er auch, nachdem er nach Brno gekommen war, und zwar in der Arbeit Naturali obligatio (1929), für die er sich internationales Ansehen erwarb. Im Verlaufe der 1930er-Jahre beschäftigte sich Vážný mit römisch-rechtlichen Ideen im bürgerlichen Gesetzbuch und vor allem mit dem römischen Zivilprozess. Dank der Fürsorge Prof. Hynek Bulíns (1869–1950) wurde auch Važnýs Werk Soustava práva římského (Das System des römischen Rechts) posthum herausgegeben, das dann zu einem begehrten Lehrbuch an den Hochschulen wurde. Außerdem war er Mitglied des Nationalen Forschungsrates, der Šafařík-Gelehrtengesellschaft, des Mährischen Rechtsanwaltbundes und des Institutio di Studi Legislativi in Rom.

Jan Vážný heiratete am 10. Juni 1918 Pavla, geborene Bulínová. Am 8. Jänner 1926 wurde der Sohn des Ehepaares Jan geboren.

Nach der Besetzung der böhmischen Länder durch NS-Deutschland und der Errichtung des Protektorats Böhmen und Mähren reihte er sich in die illegale Bewegung der Hochschulpädagogen der Masaryk-Universität ein. Am 23. Dezember 1941 wurde er von der Gestapo verhaftet und in eine Zelle des Polizeigefängnisses im Kaunitz-Kolleg gepfercht. Die Nationalsozialisten überführten ihn am 4. Februar 1942 von Brno nach Mauthausen, wo er den unmenschlichen Folterungen bereits am 18. April desselben Jahres erlag. Eine Straße im Brünner Stadtteil Řečkovice trägt heute seinen Namen.

Vladimír Černý

Vladimír Černý, geb. 1975 in Svitavy, studierte Geschichte und Politologie an der Masaryk-Universität in Brno. Gegenwärtig unterrichtet er extern am Lehrstuhl für Internationale Beziehungen und europäische Studien an der Fakultät für soziale Studien und am Institut für Geschichte der Philosophischen Fakultät der Masaryk-Universität.

 

Quellen:

Archiv der Masaryk-Universität Brünn, Fond A 1 Rektorat der Masaryk-Universität, Karton 231/4313, persönliche Akte von Jan Vážný.

Literatur:

František X. Halas: Nacistická perzekuce na brněnské univerzitě v letech 1939-1945 [Die nazistische Verfolgung an der Universität Brünn 1939-1945]. In: Sborník prací Filozofické fakulty brněnské univerzity. C, Řada historická, 27.-28. Jahrgang (1978-1979), Nr. C 25–26, S. 41-70.

Marta Kadlecová / Michaela Židlická / Karel Schelle: Život a dílo prof. JUDr. Jana Vážného [Leben und Werk von Prof. Dr. jur. Jan Vážný] (Brno 1993).

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